Solidarität, Bereitschaft zum Dialog, Abbau von Feindbildern –
die Martin-Niemöller-Stiftung führt das friedenspolitische Engagement ihres Namensgebers fort.

Ihre Arbeit begründet sich allein in der Einsicht:
Wir brauchen eine zivile, demokratische und human gestaltete – eine solidarische Welt.

über die Stiftung

Artikel

Verleihung des Julius-Rumpf-Preises am 1. Juni 2024 an die Gruppe beherzt

Johannes Rumpf, Isa von Bismarck-Osten und Martin Raabe (v.l.) bei der Preisverleihung mit Urkunde. Foto: Jochen Quast
Johannes Rumpf, Isa von Bismarck-Osten und Martin Raabe (v.l.) bei der Preisverleihung. Foto: Jochen Quast

Mehr als 200 Gäste waren zur Preisverleihung in die Klosterkirche zu Ebstorf/Kreis Uelzen gekommen. Am 1. Juni überreichte Propst i.R. Michael Karg als Vorsitzender der Martin-Niemöller-Stiftung die Urkunde an die Sprecher von beherzt, Isa von Bismarck-Osten und Martin Raabe. Die Laudation hielt die niedersächsische Innenministerin Daniela Behrens.

In der Urkunde heißt es u.a.: Das Wirken der Gruppe beherzt zeigt exemplarisch, wie aus Aufmerksamkeit, gepaart mit Sachverstand und Engagement, wichtige Erkenntnisse und Veränderungen entstehen können, die ein solidarisches Miteinander von Menschen in einer Region beflügeln und absichern, indem sie demokratiefeindlich gesinnten Kräften Grenzen aufzeigen. In Erinnerung an den gradlinigen Widerstand von Julius Rumpf in Zeiten des Nationalsozialismus erhält die Gruppe beherzt aufgrund ihres engagierten und kreativen Widerstands gegen das neuerliche Eindringen völkisch-nationalsozialistischen Denkens in ein demokratisch geprägtes Umfeld den Julius-Rumpf-Preis 2024.

Viel Applaus gab es in der Kirche nach der Preisverleihung. Foto: Jochen Quast
Viel Applaus gab es in der Kirche nach der Preisverleihung. Foto: Jochen Quast

(mehr …)

„Wir brauchen eine neue Debatte über Nuklearwaffen, denn die Risiken steigen“

Volker Jung, Kirchenpräsident der EKHN, Angelika Claußen, Präsidentin der IPPNW Europa und Prof. Dr. Ulrich Gottstein, Mitbegründer der IPPNW (v.l.) bei der Unterzeichnung in Wiesbaden.
Volker Jung, Kirchenpräsident der EKHN, Angelika Claußen, Präsidentin der IPPNW Europa und Prof. Dr. Ulrich Gottstein, Mitbegründer der IPPNW (v.l.) bei der Unterzeichnung in Wiesbaden.

Persönlichkeiten aus Naturwissenschaften und evangelischer Kirche regen in der „Wiesbadener Erinnerung“ eine neue Aufklärung über Atomwaffen und Atomstrategie an.

Deutschland braucht jetzt eine informierte Debatte um Atom-Waffen. „Denn es gibt keine Sicherheit mit nuklearen Massenvernichtungsmitteln.“ Das stellen Persönlichkeiten aus der evangelischen Kirche und den Naturwissenschaften in einer „Wiesbadener Erinnerung“ gemeinsam fest. Sie unterzeichneten das Dokument am Mittwoch (29. Mai 2024) in Wiesbaden. Darin erinnern sie an bereits erreichte Einsichten und warnen vor der wachsenden Gefahr, die aktuell von nuklearen Waffen ausgehe. Deshalb bitten sie die Gesellschaft, die Bundesregierung und die Bundeswehr diese Debatte zu führen und dabei vier konkrete Handlungsoptionen zu prüfen. → Mitschnitt der Unterzeichnung hier abrufbar (Video 12 Min.)

Handlungsoptionen zur Verringerung der nuklearen Gefahr

Zum ersten könne sich Deutschland „für eine gesamteuropäische atomwaffenfreie Zone unter Einbindung Russlands einsetzen“. Sodann könne Deutschland mit den NATO-Verbündeten einen Fahrplan erarbeiten mit dem Ziel, die nukleare Teilhabe zu beenden. Drittens könne Deutschland dem Atomwaffenverbotsvertrag (AVV) beitreten. Zuletzt könne Deutschland die Atomwaffenstaaten nachdrücklich daran erinnern, ihre im noch gültigen Atomwaffensperrvertrag von 1970 erklärte Absicht endlich umzusetzen, „auf die nukleare Abrüstung gerichtete wirksame Maßnahmen zu ergreifen“. Die atomare Rüstungskontrolle sollte umgehend wieder aufgenommen werden. Offizielle Atomwaffenstaaten sind die USA, Russland, Frankreich, Großbritannien und China. Inoffiziell gehört dazu auch Indien, Pakistan, Israel und wohl auch Nordkorea.

Die „Wiesbadener Erinnerung“ knüpft damit an eine wenig bekannte, weil vertrauliche, doch historisch bedeutsame Begegnung führender Atomphysiker mit führenden evangelischen Theologen.

(mehr …)

Ausstellung über Else Niemöller wandert erfolgreich durch Deutschland

Nach vielen Stationen in Deutschland, unter anderem Nürnberg, Darmstadt, Speyer und Kassel, ist die Wanderausstellung „Ihren Platz in der Welt finden – Else Niemöller“ noch bis 17. Juni in Potsdam zu sehen. Dann reist sie weiter und kann ab 16. August in der Französisch-Reformierten Gemeinde in Frankfurt am Main besucht werden. Alle Informationen zur Ausstellung, zu Terminen und freien Zeiten für die kostenfreie Ausleihe finden Sie hier.

 

2023-05-24_Flyer_E-Niemoeller_DINlang_98x210mm_VS_web
Flyer zur Ausstellung

Else Niemöller (1890 bis 1961) war Lehrerin, Mutter, Pfarrfrau und Friedensaktivistin. Ihrem international bekannten Ehemann Martin Niemöller – wegen seines Wirkens in der Bekennenden Kirche acht Jahre Hitlers persönlicher Gefangener – stand sie als Ratgeberin und Kritikerin zur Seite.

Mit ihrem umfassenden theologischen Wissen hielt sie ihn vom Übertritt zum katholischen Glauben ab, den er während seiner KZ-Haft erwog. Gemeinsam ging das Paar den Weg vom antidemokratischen Handeln hin zum entschiedenen Eintreten für Frieden und Völkerverständigung nach dem Krieg.

In neun Kapiteln rückt die Ausstellung der Martin-Niemöller-Stiftung Else Niemöllers Leben in den Mittelpunkt und zeigt sie als eigenständige Persönlichkeit und ebenbürtige Partnerin Martin Niemöllers.

Nächste Stationen:

 

20.04. – 17.06.2024 Lernort Garnisonkirche im Rechenzentrum Potsdam

16.08. – 15.09.2024 Französisch-Reformierte Gemeinde in Frankfurt

12.10. – 04.11.2024 Martinsgemeinde in Heuchelheim

05.11 – 25.11.2024 Luthergemeinde in Frankfurt am Main

26.11. – 01.01.2025 Geschäftsstelle der Diakonie Hessen

10.01. – 20.02.2025 Martin-Niemöller-Haus Berlin-Dahlem

06.03. – 23.03. 2025 Mirjamgemeinde Offenbach am Main

Freie Termine für die kostenfreie Ausleihe:

Ab 25. März 2025

(mehr …)

Julius Rumpf Preis wird am 1. Juni vergeben

cropped-beherzt_LOGOweb2Am 1. Juni wird der Julius-Rumpf-Preis 2024 in der Klosterkirche Ebstorf an die Gruppe „beherzt – für Demokratie und Vielfalt“ vergeben. Die Laudatio hält Daniela Behrens,  Ministerin für Inneres und Sport des Landes Niedersachsen. Seit dem Jahr 2000 vergibt die Martin-Niemöller-Stiftung den derzeit mit 10.000 Euro dotierten Julius-Rumpf-Preis. Stifter sind die Eheleute Ingrid und Dr. Günther Rumpf (†). Mit dem Preis sollen Einzelne und Gruppen ausgezeichnet werden, die »in sinnvollen Projekten Strukturen der Toleranz und der gewaltfreien Konfliktlösung, der Mitmenschlichkeit und der Versöhnung« aufbauen.

Mit dem Preis erinnert die Stiftung an den Wiesbadener Pfarrer Julius Rumpf (1874 – 1948), der von 1936 bis 1938 die Bekennende Kirche in Hessen-Nassau leitete und 1938 von den Nationalsozialisten zwangspensioniert und aus Wiesbaden ausgewiesen wurde. Mit dem Preis soll an den unspektakulären, aber gradlinigen Widerstand von Julius Rumpf erinnert und das Vorbildhafte einer solchen Haltung gewürdigt werden. Seit 2008 ist der Julius-Rumpf-Stiftungsfonds eine Unterstiftung der Diakoniestiftung des DWHN.

Es laden herzlich ein
für die Julius-Rumpf-Stiftung: Ingrid Rumpf, Dr. Eberhard Rumpf, Johannes Rumpf
für die Martin-Niemöller-Stiftung: Michael Karg, Johannes Haak

(mehr …)

Biografische Brüche – Niemöller und Barth: Vortrag am 4. Juni 2024

Referentin Josephine Kaiser (Foto: privat)
Referentin Josephine Kaiser (Foto: privat)

Wie wandelte sich Martin Niemöller von einem glühenden Nationalisten, der zunächst die NS-Regierung begrüßte, zum Kirchenkämpfer und später zum Friedensaktivisten? Josephine Kaiser (Uni Hamburg) geht den biografischen Brüchen im Leben des späteren Kirchenpräsidenten der EKHN nach und erläutert seine Auseinandersetzung mit der Theologie Karl Barths. Zum Vortrag mit anschließender Diskussion lädt die Martin Niemöller-Stiftung am Dienstag, 4. Juni, um 19 Uhr in die Aula der Martin-Niemöller-Schule in Wiesbaden (Bierstadter Str. 47) ein.

Der Vortrag wird Teile der Forschungsarbeit „Martin Niemöller und Karl Barth. Weggefährten im Widerstand gegen den Nationalsozialismus? Eine kritische Überprüfung anhand von Korrespondenzen und Gesprächen“ vorstellen. Der Schwerpunkt wird sich auf die Brüche in der Biografie Martin Niemöllers beziehen. Denn jüngst sind durch die neue Biografie von Benjamin Ziemann über Martin Niemöller erhebliche Zweifel aufgekommen, ob Martin Niemöller Widerstand geleistet hat und eine Wende hatte oder zu Lebzeiten Nationalprotestant blieb. (mehr …)

Martin-Niemöller-Stiftung schreibt Schüler:innenwettbewerb aus

Kreativität ist gefragt beim Schüler:innenwettberb der Martin-Niemöller-Stiftung (Foto: pixabay)
Kreativität ist gefragt beim Schüler:innenwettberb der Martin-Niemöller-Stiftung (Foto: pixabay)

Die Martin-Niemöller-Stiftung hat Schülerinnen und Schüler in Wiesbaden und Rheingau-Taunus-Kreis zum Wettbewerb aufgerufen. Jugendliche der Jahrgangsstufen 5 bis 13 sind eingeladen, sich unter dem Motto „Vorbild in ‚unfriedlichen Zeiten‘?“mit dem Leben und Wirken Martin Niemöllers in Kirche und Gesellschaft auseinanderzusetzen. Dotiert sind die Preise mit 500 Euro (1. Platz), 300 Euro (2. Platz) und 200 Euro (3. Platz).

Inhalte der Ausschreibung

In Zeiten weltweiter Konflikte und Kriege liefert der Blick in die Vergangenheit Impulse zur Auseinandersetzung mit Fragen der Friedensschaffung und -sicherung. Du hast Interesse daran, Dich intensiver mit dem Wirken Martin Niemöllers und dessen Perspektiven auf Krieg und Frieden zu beschäftigen?

Dann beteilige Dich an dem Schülerwettbewerb der Martin Niemöller-Stiftung e.V. und setze Dich mit Fragen auseinander wie: Wie war der Werdegang Martin Niemöllers? Was waren seine entscheidenden Prägungen? Von welchen Widersprüchen war sein Leben geprägt? Welche Antworten hatte er auf die drängendsten Fragen seiner Zeit? Was können wir noch heute aus der Beschäftigung mit Niemöller lernen? Dient seine Person als Vorbild?

(mehr …)

Impulspapier „Sicherheits-Strategien neu denken: Gewalt stoppen und überwinden! “

Initiative_sicherheit_neu_denken_logoIm neuen Impulspapier Nr. 4 „Sicherheits-Strategien neu denken: Gewalt stoppen und überwinden! In Israel und Palästina. In der Ukraine. Global.“ werden die Kriege in der Ukraine und in Israel/Palästina, die zunehmende Klimakrise sowie die 2023 veröffentlichte Nationale Sicherheitsstrategie der Bundesregierung reflektiert und weitere Entwicklungen aus dem Geist eines Positiv-Szenarios.

Impulspapier Nr. 4 Sicherheits-Strategien neu denken zum Download

„In einer bedrohlichen Zeit ist das neue Impulspapier ‚Sicherheits-Strategien neu denken‘ ganz ausgezeichnet. Wir müssen – wo wir können – Gewalt stoppen und überwinden. Wir brauchen Fairness gegenüber anderen Erdteilen. Wir müssen kooperieren statt rivalisieren!“

Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker, Ehrenpräsident des Club of Rome

Initiative „Sicherheit neu denken“ 

„Sicherheit neu denken“ ist eine dialogische Initiative, die unter anderem regelmäßig Impulspapiere erarbeitet. Zu ihrem Koordinierungskreis gehört auch Gerd Bauz, Vorstand der Martin-Niemöller-Stiftung. Im April 2018 wurde im Auftrag der  Evangelischen Landeskirche in Baden „Sicherheit neu denken – Von der militärischen zur zivilen Sicherheitspolitik — Ein Szenario bis zum Jahr 2040“ erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Szenario zeigt auf, wie analog zum Ausstieg aus der Atom- und Kohleenergie bis zum Jahr 2040 ein Ausstieg aus der militärischen Friedenssicherung und ein Umstieg in eine rein zivile Sicherheitspolitik gelingen könnte.

Mehr über die Initiative erfahren Sie hier.

(mehr …)

Der Ukraine-Krieg: Friedensethik und Außenpolitik auf dem Prüfstand

Friedensethiker Prof. Thomas Nauerth
Friedensethiker Prof. Thomas Nauerth

Auf großes Interesse stieß die inhaltlich spannende Veranstaltung über Friedensethik in Kriegszeiten mit Friedensethiker Prof. Thomas Nauerth (Universität Osnabrück). In der Evangelischen Akademie Frankfurt moderierte Gerd Bauz (Martin-Niemöller-Stiftung) das Gespräch, Friedenspfarrerin Sabine Müller-Langsdorf (Zentrum Oekumene der EKHN und der EKKW) ergänzte die Diskussion mit einem Beitrag.

Veranstaltung verpasst? Eine Aufzeichnung finden Sie hier.

 

Das Manuskript von Professor Nauerth kann bestellt werden bei: gbauz@web.de

Der Krieg in der Ukraine hat jegliche Friedensethik auf den Prüfstand gestellt. Das ist seit Beginn des russischen Angriffs fast ein Allgemeinplatz geworden. Dabei stellt sich die grundsätzliche Frage, ob und wie eine politische Realität ethische Einsichten verändern kann. Außerdem muss diskutiert werden, wie sich angesichts des russischen Angriffs die herkömmliche Außenpolitik verändert. Denn sollte es nicht eine der Kernaufgaben der Außenpolitik sein, für ein friedliches Zusammenleben der Staaten Sorge zu tragen? Die Veranstaltung warf einen kritischen Blick auf friedensethische und außenpolitische Konzeptionen und suchte nach Auswegen aus diesem Krieg ebenso wie nach Perspektiven einer zukünftigen Friedensethik.

Über Friedensethik diskutierten (v.l.) Gerd Bauz von der Martin-Niemöller-Stiftung, Friedensehtiker Prof. Dr. Thomas Nauerth und Friedenspfarrerin Sabine Müller-Langsdorf, Friedensarbeit im Zentrum Oekumene der EKHN und der EKKW
Über Friedensethik in Kriegszeiten diskutierten (v.l.) Gerd Bauz von der Martin-Niemöller-Stiftung, Friedensehtiker Prof. Dr. Thomas Nauerth und Friedenspfarrerin der EKHN und EKKW Sabine Müller-Langsdorf.

40 Jahre Schwerter zu Pflugscharen: Renate Höppner hält Kanzelrede

© Martin-Niemöller-Stiftung
© Martin-Niemöller-Stiftung

Renate Höppner, Mitglied im Vorstand der Martin-Niemöller-Stiftung, hielt am Sonntag, 22. Oktober, ihre Kanzelrede in der Wittenberger Stadtkirche zum Thema: „40 Jahre Schwerter zu Pflugscharen“.

In der Veranstaltung der Evangelischen Aklademie Sachsen-Anhalt ging die Theologin der Frage nach, wie konsequent Pazifismus gelebt werden kann, wenn Menschenleben durch Aggression gefährdet ist.

„Schauen wir in unsere Bibel, woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat, sagt der Psalmbeter des 121. Psalms zu den Juden, den Muslimen und zu den Christen, die in ihrer Bibel lesen. Tun wir das“, sagte Höppner und fragte angesichts der biblischen Botschaft weiter:
„Wessen Geistes Kind sind wir? Lassen wir uns leiten vom Geist Gottes, der die Liebe ist, der Versöhnung will und Schalom für alle Menschen? […] Unser Frieden ist nicht nur gefährdet durch religiöse Fundamentalisten oder nationalistische Fanatiker. Unser Frieden ist auch immer gefährdet durch mich selbst. Wenn ich Menschen verachte und ich Menschen in Schubladen stecke: die Migranten, die Russen, die Bürgergeldempfänger, die Jugendlichen, die da oben oder die da unten. Wenn diese Vorurteile mich leiten. Wenn ich der Resignation den Platz überlassen. Wenn ich kein Gottvertrauen habe. Aber wenn Gottes Geist mich leitet, kann ich Mut haben.“

Der vollständige Predigttext zum Download

Festival „Gegensignal“ vom 16. bis 17. September in Potsdam

Das Potsdamer Glockenspiel ist die Nachbildung des historischen Carillons der Garnisonkirche. ©Wikimedia/CC BY 3.0/Bohao Zhao
Das Potsdamer Glockenspiel ist die Nachbildung des historischen Carillons der Garnisonkirche. ©Wikimedia/CC BY 3.0/Bohao Zhao

Vier Jahre nach seiner Stilllegung steht das stets umstrittene nachgebaute Glockenspiel der Garnisonkirche Potsdam am 16. und 17. September 2023 im Zentrum eines Kurzfestivals. Auf dem Programm stehen Klang-Geschichten, eine öffentliche Inszenierung und ein Workshop mit Disussion zur Zukunft des Glockenspiels. Veranstaltet wird das Festival vom Verein zur Förderung antimilitaristischer Traditionen in der Stadt Potsdam e.V. und dem Lernort Garnisonkirche.

Als wichtiger Teil der Veranstaltung werden vier namhafte Intellektuelle aus Polen, Ukraine, Russland und Namibia darauf zurückblicken, wie sich preußisch-deutsche Militärgewalt in die Geschichte Ihrer Länder eingeschrieben hat und wie sie die heutige deutsche Erinnerungskultur zu Preußen wahrnehmen. Nach kurzen Auftritten in der Konzertperformance am Samstag werden sie während des Symposions am Sonntag jeweils eine Rede halten und mit dem Publikum und miteinander diskutieren.
Es sprechen:

  • Jan Tomasz Gross, Historiker und Soziologe, Polen/ Berlin, Prof. emeritus der Princeton University/USA
  • Esther Muinjangue, Vizeministerin für Gesundheit und Soziale Dienste, ehemalige Vorsitzende der Ovaherero Genocide Foundation, Namibia
  • Kateryna Mishchenko, Autorin und Verlegerin, Ukraine/Berlin
  • Sergey Lebedev, Schriftsteller, Russland/Potsdam

Das Festival beginnt am Samstag um 16.30 Uhr mit einer multimedialen Lecture-Performance von Michael Schenk im Filmmuseum Potsdam.

Der Künstler Andreas Siekmann gestaltete das Visual für die Konzertinstallation „Den Marsch blasen“
Der Künstler Andreas Siekmann gestaltete das Visual für die Konzertinstallation „Den Marsch blasen“.

Es folgt ab 19.30 Uhr auf der Plantage die Uraufführung von „DEN MARSCH BLASEN. Eine psychogeographische Situation am Glockenspiel auf der Plantage“ des Komponisten Christian von Borries. Auf der Potsdamer Plantage, Standort des Glockenspiels unweit der Garnisonkirche, erklingt nicht mehr das untertänige Lied „Üb immer treu und Redlichkeit“, sondern „Den Marsch Blasen“ des Komponisten Christian von Borries. Die Auftragskomposition bringt die verdrängten rechtslastigen und militärischen Botschaften des Glockenspiels akustisch wie szenografisch zum Vorschein, und gibt zugleich den Opfern der einstigen preußisch-deutschen Militärgewalt eine Stimme. Gerahmt wird die Aufführung von diskursiven Beiträgen: Eine akustisch-visuelle Lecture-Perfomance des Klangkünstlers Michael Schenk im Filmmuseum Potsdam zur Geschichte des Glockenspiels und ein anschließender Workshop im Kunst- und Kreativhaus Rechenzentrum zur Zukunft des Glockenspiels auf der Plantage.

Am Sonntag findet ab 10 Uhr im Rechenzentrum ein Symposion und Workshop statt. Während vormittags von 10 Uhr bis 13 Uhr die Nachkommen der Adressaten preußisch – deutscher Militärgewalt zu Wort kommen, findet nachmittags eine Fishbowl-Diskussion zur Zukunft des Glockenspiels auf der Plantage statt.

(mehr …)