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Von den Anfängen bis heute…

Matthiessen
Gunnar Matthiessen

Gunnar Matthiessen, später langjähriger Geschäftsführer der Niemöller-Stiftung, hat in seinem Beitrag zu „Martin Niemöller – Wer er war – Wer er ist“, ein entscheidendes Gespräch mit ihm geschildert: „…Am 24. Januar 1976 saßen wir morgens um 7.30 Uhr in der kalten, ungemütlichen Bahnhofsgaststätte von Darmstadt 

und hatten noch Zeit bis zur Bürositzung des Komitees für Frieden, Abrüstung und Zusammenarbeit. Im Verlaufe unseres Gesprächs, in dem wir uns ein wenig erwärmten und den Kreislauf anregten, … fand ich den Mut, ihm eine für mich sehr wichtige Frage zu stellen. Ich hatte gehörige Angst, von ihm arg beschimpft zu werden. Ich fragte ihn, was er denn wohl von dem Gedanken einer Martin-Niemöller-Stiftung hielte.Ich versuchte, ihm möglichst atemlos und viel von meinen Gedanken zu erzählen, um ihn an einer voreiligen Antwort zu hindern. Ich war unendlich erleichtert, aber auch überrascht über seine kurze und bündige Bestätigung: ‘Ich bin dafür, denn nach ihrem Tode werden Namen und das Lebenswerk, für das diese Namen stehen, in den Archiven allzu schnell vergessen.’ Nicht um seine Person ging es ihm, sondern um das, wofür er tatkräftig und überzeugt, überzeugend wirkte“.

Gegründet wurde die Stiftung am 15. Januar 1977, einem Tag nach Niemöllers 85. Geburtstag, mit dem Zusammentreten eines internationalen Kuratoriums im Rathaus Wiesbaden. Verständigung, Entspannung und Frieden waren die selbstgestellten Aufgaben. Ausdrücklich heißt es in der von Heinz Kloppenburg unterzeichneten Gründungserklärung, das Kuratorium wolle, dass die Arbeit am Frieden nicht einer parteipolitischen Richtung überlassen bleibt.

In den ersten Jahren eine eher lockere, aber im gleichen Geist verbundene Vereinigung, wurde im Januar 1980 eine Gründungssatzung verabschiedet und die Stiftung als eingetragener Verein konstituiert. In der Satzung wurde die Ziele Niemöllers mit der Formulierung zum Ausdruck gebracht, „… Initiativen aufzunehmen, anzuregen, zu vermitteln und zu fördern, die auf Verständigung zwischen den Völkern, Staaten und Paktsystemen Europas und der Welt zielen, konstruktive Vorschläge zur politischen Entspannung und zur Abrüstung zu unterbreiten, und so dem Frieden der Menschheit zu dienen.“

Ein herausragendes Ereignis der Stiftungsgeschichte war die Reise nach Moskau 1982. Der große Friedenskongress 1989 in Bad Godesberg – ein ebenfalls markantes Datum. 1990/91 zog das Büro von Köln nach Wiesbaden um. Heute ist ein Schwerpunkt der Arbeit, neben der Organisation von Veranstaltungen, Tagungen und der Beteiligung an Veranstaltungen anderer Organisationen, das Projekt Peremoha.

Das Gründungs-Kuratorium

Wolfgang Abendroth  –  Heinrich Albertz –  Egon Bahr –  Bischof Tibor Bartha (Ungarn) –  Klaus von Bismarck –  Martha Buschmann –  Georges Casalis (Frankreich) –  Romesh Indra (Indien), Generalsekretär des Weltfriedensrats –  Danilo Dolci (Italien) –  Wilhelm Dröscher –  Helmut Gollwitzer –  Raimond Goor (Belgien), Internationales Komitee für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa –  Gerhard Kade –  Heinz Kloppenburg –  Nikolaus Koch –  Eugen Kogon –  Walter Kreck –  Konrad Lübbert –  Bodo Manstein –  Klaus Mannhardt –  Gunnar Matthiessen –  Generalbischof Jan Michalko (CSSR) –  Herbert Mochalski –  Gerhard Möckel –  Joachim Oeffler –  Diether Posser –  Uta Ranke-Heinemann –  Helmut Ridder –  Kurt Scharf –  Rolf Schroers –  Karoly Toth (Ungarn), Christliche Friedenskonferenz –  Cynthia Wedel (USA), Weltkirchenrat –  Glen Garfield Williams, Generalsekretär der Konferenz Europäischer Kirchen