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„Den Menschen um Gottes Willen in den Blick nehmen“

 

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Foto: Mohamad Osman

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Verleihung Julius Rumpf- Preises 2016:
Heidi J. Stieweink dankt für den Arbeitskreis Flüchtlingshilfe

 

Sehr geehrter Herr Dr. Rumpf, sehr geehrte Familie Rumpf, sehr geehrte Frau Sievers, sehr geehrter Herr Karg,
sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde und Begleiterinnen der Flüchtlingsarbeit,

zuerst einmal ein besonders herzliches Dankeschön an Frau Ingrid Rumpf für diese außergewöhnliche Auslegung der Geschichte um Ruth und Boas, selten habe ich eine solche Interpretation der Bibelstelle gehört!

 „Den Menschen um Gottes Willen in den Blick nehmen“—das ist der leitende Satz meines langjährigen Kollegen und Freundes Harald Würges. Er ist der Synodalbeauftragte der evangelischen Kirchenkreise Braunfels und Wetzlar für Migration und Integration. Er steht für entsprechende Vernetzung und Kooperation und trägt prägend Kirchlicherseits unsere Flüchtlingsarbeit. Ich unterstütze ihn im Kirchenkreis und unter anderem im Camp. Und darf stellvertretend für ihn Worte des Dankes an Sie richten.

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Was ist die unsichtbare Tiefe hinter dem Menschen?

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Annegret Oelschlägel-Rumpf trug die Rede in Vertretung von Ingrid Rumpf vor Foto: Mohamad Osman

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Rede von Ingrid Rumpf* zur Verleihung der Julius-Rumpf-Preises in Wetzlar
am 18. 06. 2016

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

Julius Rumpf, der Namensgeber unserer Stiftung, war mein Schwiegervater, leider habe ich ihn nicht mehr erlebt und kann deswegen nicht wirklich lebendig von ihm erzählen. Er war protestantischer Pfarrer im Widerstand gegen ein Unrechtsregime, er war, soviel habe ich aus Erzählungen verstanden, so etwas wie protestantisches Urgestein, und als solcher hatte er natürlich die Geschichten der Bibel verinnerlicht und aus ihnen vielleicht auch die Kraft zum Widerstand geschöpft. In diese Tradition mich einfügend, möchte ich Ihnen heute eine biblische Geschichte nacherzählen: Die wunderbare Liebesgeschichte von Boas und Ruth aus der jüdischen Bibel, dem sog. Alten Testament.

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Visionärer Blick und hohe Sachkenntnis

Michael Karg, Vorsitzender der Martin-Niemöller-Stiftung Foto: Mohamad Osman

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Begrüßungsrede zur Verleihung des Julius Rumpf-Preises 2016
an den Arbeitskreis Flüchtlingshilfe in Wetzlar-Niedergirmes am 18.06.2016

 

Wir sind hier heute versammelt, weil es um Menschen, um die Würde von Menschen geht; weil der AK Flüchtlingshilfe geehrt werden soll, dem diese Würde in besonderer Weise am Herzen liegt.

In der Bibel heißt es (Gen 1,27): „Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn“. Das gilt für alle Menschen, nicht für bestimmte Völker oder Ethnien. Die in der Gottesebenbildlichkeit gründende Würde gilt uneingeschränkt für alle Menschen – und in besonderer Weise für die, die des Schutzes und der Achtung ihrer Rechte bedürfen. „Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten“ heißt es im 3. Buch Mose (19, 33 f). Das Deutsche Grundgesetz speist sich u.a. aus christlichen Wurzeln und sagt in Art. 1 unmissverständlich: „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Auch hier geht es nicht um die Würde bestimmter Menschen, sondern aller Menschen, die im Geltungsbereich des Grundgesetzes leben. Wer vorgibt, um die Werte des christlichen Abendlandes besorgt zu sein, sollte sich diese Textstellen sehr zu Herzen nehmen und sollte auch daran gemessen werden! (mehr …)

Julius-Rumpf-Preis 2016: „Sehen, was notwendig ist“

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Foto: Mohamad Osman

Die Entscheidung ist gefallen: Der Julius-Rumpf-Preis 2016 geht an den „Arbeitskreis Flüchtlingshilfe Mittelhessen“. In dem Netzwerk engagieren sich seit über 25 Jahren mittlerweise an die 1000 ehrenamtliche Helfer für Flüchtlinge aus allen Ländern, die in der Region Zuflucht gefunden haben. Der Arbeitskreis wird getragen von kirchlichen und gesellschaftlichen Gruppen, die auf unterschiedlichen Ebenen und an unterschiedlichen Bedürfnissen versuchen, die Neuankömmlinge beim Start zu unterstützen. Dabei hat sich in den letzten Jahren eine Vielzahl von neuen Projekten entwickelt, die sich aus konkreten Situationen entwickelt haben.

Die Preisverleihung findet am 18. Juni 2016 in Wetzlar statt.

 

Weitertragen in die Zukunft

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Stifterehepaar Dr. Günter und Ingrid Rumpf

Zunächst erschien der im stillen Kämmerlein ausgefüllte Spendenscheck, die „stille Wohltätigkeit“, den engagierten Christen Günther und Ingrid Rumpf als die einzige Möglichkeit, sich auch im fortgeschrittenen Alter noch aktiv in die Gesellschaft einzubringen. Denn: „Jenseits einer gewissen Altersgrenze“, so Ingrid Rumpf, „verbieten sich Demonstrationen oder ein Einsatz in den Krisenherden dieser Welt.“

Nicht nur fromme Innerlichkeit

Doch dann reifte die Überzeugung, dass christliche Wohltätigkeit und bürgerschaftliches Engagement nicht mehr in verschiedenen Welten angesiedelt sein dürfen, und dass dann eben auch das öffentliche Bekenntnis zu dem, was man tut und erreichen möchte, dazugehört. In einer Stiftung sahen sie den geeigneten Weg, „Menschen zu ermutigen und zu fördern, die das tun, was wir nicht mehr tun können“. Sie beschlossen also, eine Stiftung zu begründen, um mutigen, phantasievollen und wirkungsvollen Einsatz für Mitmenschlichkeit zu fördern und an die sprichwörtlich „große Glocke“ zu hängen, damit das gute Beispiel Nachahmer und weitere Förderer finde. Die Stiftung sollte den Namen des Vaters von Günther Rumpf tragen: Julius Rumpf.

 

Die Stiftung

Das Startkapital für die zu gründende Stiftung wurde treuhänderisch der Martin-Niemöller-Stiftung e.V. übergeben. Dies war eine ideale Lösung: Die Martin-Niemöller-Stiftung ist in Wiesbaden ansässig, der Stadt des Wirkens von Julius Rumpf.

Martin Niemöller und Julius Rumpf haben lange Jahre gegen den Nationalsozialismus zusammengearbeitet; heute führt die Martin-Niemöller-Stiftung das friedenspolitische Engagement ihres Namensgebers fort. Feindbilder abzubauen, Gerechtigkeit, Frieden und Solidarität zu fördern: diese Grundziele der Niemöller-Stiftung decken sich weitgehend mit dem Anliegen, das auch Günther und Ingrid Rumpf zu der Stiftungsidee bewog.

Das Kuratorium der Julius-Rumpf-Stiftung besteht aus zwei Vertretern der Familie Rumpf, dem Vorsitzenden und dem/der Geschäftsführer/in der Martin-Niemöller-Stiftung; weitere Mitglieder können benannt werden. Das Kuratorium wacht über die Einhaltung des Stiftungszwecks und entscheidet über alle Angelegenheiten, die mit der Verleihung des Julius-Rumpf-Preises und mit weiteren Förderungen verbunden sind.

Seit August 2007 wird der Julius-Rumpf-Stiftungsfonds treuhänderisch von der Stiftung Diakonie in Hessen und Nassau verwaltet.